Im Hostel hatte ich durch Marissa zwei ihrer asiatischen Freundinnen kennengelernt: Saki und Shirley. Wir waren ab und zu ein bisschen in Melbourne unterwegs und verstanden uns alle recht gut. Saki kommt aus Japan und Shirley aus Taiwan. Shirley wollte mit uns unbedingt Bubble Tea trinken. Das sind vor den Augen frisch zubereitete Fruchttee Getränke mit verschieden wählbaren Toppings. Die Idee kommt wohl aus Taiwan und ist schon zahlreich in Australien vertreten. Inzwischen sind sie in Deutschland ja auch angekommen und werden zu einem Modegetränk (typisch deutsch -> Es folgen direkt negative Medienberichte über die unglaublich gefährlichen Toppings, an denen Kleinkinder ja ersticken können…) Ich wusste zwar nicht, aus was diese kleinen runden Bällchen (Topping) bestanden, aber alles in allem was es ein erfrischendes Getränk.

Wir waren dann noch asiatisch essen und hingen in der Stadt rum. Wir liefen auch zum Casino entlang am Ufer des Yarra River, als ich plötzlich wahnsinnig erschrak. Dort stehen alle paar Meter große rechteckige Kästen, aus denen kleine Feuerflammen leuchten. Abends in der Dämmerung sieht das am Ufer wirklich wunderschön aus. Doch auf einmal feuerte eine riesengroße Stichflamme aus dem Kasten neben mir und die Hitze der Flamme ging einem durch den ganzen Körper. Es waren die “Jet Flames”, die das Casino der Stadt gestiftet hat. Zu jeder vollen Stunde entfachen nacheinander an den Kästen diese großen Stichflammen. Wirklich ein nettes Spektakel!

Ich muss sagen, ich verstand mich mit Marissa wirklich sehr gut. Ihre bayrische Mundart und ihre Natürlichkeit gefielen mir und jedes Mal, wenn wir zusammen waren, war sie pausenlos am Lachen. Ich weiß nicht warum, aber sie war wirklich dauernd nur am Lachen und es war ansteckend. Jedes Mal aufs Neue. Innerlich war es sicherlich auch eine gewisse Verbundenheit. Immerhin waren wir gemeinsam aus Frankfurt angekommen und kannten uns schon seit Beginn des Abenteuers.

Als wir eines Abends dann nach einem Spaziergang wieder im Hostel waren, brachte ich Marissa noch zu ihrem Zimmer. Sie teilte es sich unter anderem mit einer etwa 40 jährigen, indischen Frau namens Veshali. Laut der Schanzerin war sie eher konservativ und meinte Marissa oft maßregeln zu müssen. Marissa wollte sich einen Scherz erlauben und schickte mich vorab ins Zimmer, da sie wusste das Veshali schon am Schlafen war und es für sie ein Schock wäre, wenn eine männliche Person das Zimmer betreten würde. Ich betrat also das Zimmer, es war dunkel, Veshali wurde wach und erkannte das in Person im Raum war. Sie war leicht irritiert, ich bin schnell wieder raus. Die Schanzerin, „ja moi“, war natürlich wieder heftigst am Lachen. Am nächsten Tag erfuhr ich, dass Veshali sich natürlich noch bei Marissa beschwert hatte…was sie sich dabei nur dachte, sie hätte ja nackt sein können etc. Naja, vergeben und vergessen.

Auf der Arbeit war alles noch soweit in Ordnung. Es gab inzwischen endlich zumindest ein klein bisschen Abwechslung. Es mussten Möbel transportiert und verpackt werden. Ich war andauernd zum Shrinkwrappen verdammt. Dafür nahm ich eine große Rolle „Frischhaltefolie“ und lief damit kreisförmig um fertig geladene Paletten herum, damit diese umwickelt und eingepackt werden. Trotz Arbeitshandschuhen (die wir uns ab und zu teilen mussten) wurden die Handinnenflächen beim Umwickeln schnell heiß, sodass sich täglich lästige Verbrennungen und Bläschen bildeten.

Ab und an kam Shaun (ein Aussie), irgendeiner der anderen Arbeiter, und lieh sich den Gabelstapler aus. Er prahlte ab und an mit seinen Deutsch-Kenntnissen, die allerdings nicht mehr als “Fotze”, “Muschi”und einem gleichzeitigen bereiten Grinsen betrugen. Irgendwann wurde zuerst Fenja, einige Tage später dann immer mal jemand anders von Big Boss Simon in ein anderes Lager geschickt. Dort wurden wir zum „DVD Picking“ angelernt. Es handelte sich um eine Lagerhalle, die im Eingangsbereich mit einem großen rechteckigen Tisch bestückt war. Daneben standen ein paar Einkaufskörbe und Einkaufswagen. Ansonsten standen in der Halle große Stahlregale, die von dichten, engen Gängen voneinander getrennt waren. Abgesehen von der Lageratmosphäre ähnelte der Aufbau an einen Supermarkt. Jeder Gang, jedes Regal war beschriftet. In dieser Halle wurden Bestellungen bearbeitet und zusammengesucht. Hier lagerte die Ware, mit der Shock Records handelte.

Diese DVDs wurden nicht weggeschmissen, sondern noch verkauft. Man nehme sich dort also zuerst einen abzuarbeitenden Bestellzettel, ein Klemmbrett und einen Stift vom Tisch. Dann nimmt man sich einen Einkaufswagen und geht wie beim Einkaufen im Supermarkt der Reihe nach den Bestellzettel durch. Pos. Nr. 1: Gang E Regal 13 Fach 3C -> 3x Hier läuft man also mit dem Einkaufswagen zu dem Fach, vergleicht dann den DVD Titel der dort liegt mit dem auf dem Bestellzettel und nimmt dann die entsprechend bestellte Menge der DVD raus, legt sie in den Einkaufswagen und macht ein Kreuz an die Position. Ist das Fach leer oder mit den falschen DVDs bestückt, kreist man die Position ein. Warum? Das werden wir gleich sehen. Das war‘s zunächst, weiter geht es dann schon mit Pos. Nr. 2. Die Bestellzettel sind unterschiedlich lang. Manche Bestellungen beinhalten nur 5 Positionen, die hatte man in 10 Min. durch. Andere gingen über 3 Seiten, da war man mal gut 45 Min. beschäftigt. Hat man also alle DVD im Wagen und ist mit der letzten Position durch, schiebt man seinen Wagen zum anfangs erwähnten Tisch am Eingang und baut die DVDs in Stapeln auf dem Tisch auf. Der Bestellzettel wird oben draufgelegt.

 

Die Arbeit als ”Picker” ist damit erledigt und es kann in eine neue Runde gehen. Die Stapel am Tisch werden von anderen Arbeitern weiterbearbeitet. Zunächst wird der Bestellzettel gecheckt. Ist eine Position eingekreist, wird dies weitergeleitet und das entsprechende Fach im Regal überprüft bzw. aufgefüllt und die DVDs der Bestellung noch hinzugefügt. Dann werden die DVDs fachgerecht in Kartons verladen, gesichert und versandfertig verpackt. Hierbei waren wir aber nicht involviert. Wir griffen ausschließlich den “Pickern” unter die Arme. Nach einigen Runden erhält man ein bisschen Routine und geht die Positionen dann taktisch sinnvoll durch. Die anderen Pickerkollegen waren bunt gemischte Leute.

leider kaum ausgwählt: Doku über Deutschland

leider kaum ausgwählt: Doku über Deutschland

Meine Kollegen waren also bspw. ein lockiger, langhaariger Mit-60iger, der vermutlich auf Grund seines Alters nichts anderes mehr fand, ein dünner, fein angezogener, nicht redender Kollege genauso wie aber auch die tätowierte Punkrock Braut mit ihren knallpinken Haaren. Vermutlich kamen einige auch nur stundenweise und schichtweise, denn es waren nicht immer alle da. Es lief laute Musik (meistens harter Rock) oder aber lokales Radio in der Halle.

Diejenigen, die keine Lust drauf hatten, spazierten mit Mp3 Player und Kopfhörern durch die Gänge. Beim Durchschieben durch die Gänge traf man immer mal wieder auf den einen oder anderen Pickerkollegen. Der graue, ältere Lockenkopf war recht locker und smoothy drauf und pfiff sich so chillig durch die Gänge, ein Aussie eben. Der Job als DVD Picker war wirklich eine gute Abwechslung, vor allem da man in Bewegung kam. Das ständige Sitzen und stupide Öffnen von DVD Hüllen war langweilig geworden. Leider durfte hier jeder nur ab und an mal arbeiten, wenn gerade viele Bestellungen abzuarbeiten waren oder Leute fehlten. Ich bin dort immer möglichst lang geblieben, da man dort auch Schutz vor der Nervensäge Simon (Dummschwätzer) hatte. Man konnte einfach nur in Ruhe seine Bestellungen abarbeiten…Simon war nämlich selten dort.

 

Wie bereits erwähnt hat er es mit Zählen nicht so. Deswegen versuchte er vermutlich auch von sich aus, möglichst seine Gabelstaplerfahrten weiterzumachen. In der Mittagspause lief ich häufig um den Block, setzte mich irgendwo auf eine Mauer und versuchte kurz zu schlafen, beobachtete Schulkinder in der nebenangelegenen Schule oder schaute der Müllabfuhr bei der Arbeit zu. Die Müllabfuhrautos waren interessant: beim langsamen Durchfahren der Straße werden Arme ausgefahren, die dann die von den Bewohnern an den Rand gestellten Mülltonnen greifen, hochnehmen und im Müllauto entleeren. Dann geht der Greifarm wieder runter und stellte die Tonne am Straßenrand wieder ab. Das Müllauto fährt dabei die ganze Zeit sehr langsam, hält aber nicht an. Somit wird auf die Dauer mächtig Zeit gespart und die Müllmänner müssen nur absteigen, wenn irgendwas schief läuft.

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